Orientierung·28. August 2026·2 Min.

Was geschieht gerade mit mir?

Bin ich schon in den Wechseljahren – obwohl meine Periode noch kommt?

„Ich bekomme meine Periode noch. Aber irgendetwas stimmt nicht mehr. Ich schlafe schlecht, bin erschöpft und manchmal so dünnhäutig, dass ich mich selbst kaum wiedererkenne. Bilde ich mir das alles nur ein?“

Nein. Ganz sicher nicht. Viele Frauen spüren schon Jahre vor der letzten Monatsblutung, dass sich etwas verändert. Der Zyklus ist vielleicht noch regelmäßig, doch der Schlaf wird unruhiger, die Kraft lässt nach und die innere Gelassenheit scheint plötzlich verloren.

„Aber können das wirklich schon die Wechseljahre sein?“

Ja. Diese erste Phase nennt man Perimenopause. Die Hormone verändern sich jetzt nicht gleichmäßig, sondern schwanken. Und genau diese Schwankungen können sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Manche Frauen haben Hitzewallungen. Andere liegen nachts wach, fühlen sich grundlos traurig oder reagieren plötzlich gereizt. Viele sagen mir: „Ich funktioniere noch – aber ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst.“

„Brauche ich einen Hormontest?“

Nicht immer. Ein einzelner Blutwert ist oft nur eine Momentaufnahme. Viel wichtiger ist zunächst Ihre persönliche Geschichte: Was hat sich verändert? Seit wann? Und wie sehr beeinträchtigt es Ihr Leben?

„Muss ich da einfach durch?“

Nein. Nicht jede Frau braucht eine Behandlung. Aber jede Frau verdient es, mit ihren Beschwerden ernst genommen zu werden. Manchmal helfen Veränderungen im Alltag. Manchmal braucht es weitere Untersuchungen. Und manchmal kann eine individuell abgestimmte Hormontherapie oder pflanzliche Therapie sinnvoll sein. Sie müssen nicht warten, bis gar nichts mehr geht. Denn Wechseljahre beginnen nicht erst, wenn die Periode aufhört. Sie beginnen manchmal ganz leise – mit dem Gefühl: „Irgendetwas ist anders.“ Und genau dieses Gefühl darf der Anfang eines guten Gesprächs sein.

Hormontherapie·11. August 2026·2 Min.

Hormone in den Wechseljahren – so natürlich wie möglich?

Erfahren Sie, wie naturidentische Hormone Wechseljahresbeschwerden behutsam lindern können und welche individuellen Überlegungen für eine Hormontherapie wichtig sind.

„Eigentlich geht es mir nicht schlecht. Aber ich bin nicht mehr ganz ich selbst. Ich schlafe schlechter, bin schneller erschöpft, meine Stimmung schwankt – und irgendwie fühlt sich mein Körper anders an. Gleichzeitig habe ich Respekt vor Hormonen. Gibt es da nicht etwas Natürliches?“

Diese Frage höre ich in meiner Praxis sehr häufig. Und meine Antwort lautet: Ja – wenn eine Hormontherapie für Sie sinnvoll ist, können wir heute in vielen Fällen mit Hormonen behandeln, die den körpereigenen Hormonen entsprechen.

„Was bedeutet denn naturidentisch genau?“

Naturidentische Hormone besitzen die gleiche chemische Struktur wie die Hormone, die Ihr Körper selbst bildet. In der Wechseljahrestherapie sind das vor allem Estradiol und Progesteron. Mir gefällt der Gedanke, den Körper in dieser Lebensphase nicht einfach mit „irgendwelchen Hormonen“ zu versorgen, sondern möglichst nah an seiner eigenen Physiologie zu bleiben.

„Aber sind Hormone nicht grundsätzlich gefährlich?“

Diese Sorge begegnet mir häufig – und sie ist verständlich. Viele Frauen haben noch die Warnungen vor der Hormontherapie im Kopf, die über viele Jahre die öffentliche Diskussion geprägt haben. Heute wissen wir sehr viel genauer: Hormontherapie ist nicht gleich Hormontherapie. Es macht einen Unterschied, welches Hormon wir einsetzen, wann wir mit der Behandlung beginnen, wie hoch wir dosieren und auf welchem Weg das Hormon in den Körper gelangt.Deshalb bevorzuge ich beispielsweise Estradiol häufig über die Haut zu verabreichen als Gel oder Pflaster. Wird zusätzlich ein Schutz der Gebärmutterschleimhaut benötigt, verordne ich gerne mikronisiertes Progesteron.

„Sind naturidentische Hormone dann völlig risikofrei?“

Nein. Und genau das ist mir wichtig. „Naturidentisch“ bedeutet nicht „harmlos“. Hormone sind hochwirksame Botenstoffe und sollten nicht nach einem Standardschema verordnet werden. Vor einer Therapie möchte ich deshalb wissen: Was hat sich bei Ihnen verändert? Was belastet Sie? Welche gesundheitlichen Voraussetzungen bringen Sie mit – und was möchten Sie mit der Behandlung erreichen? Erst daraus entsteht eine Therapie, die wirklich zu Ihnen passt.

„Und muss ich Hormone nehmen, nur weil ich in den Wechseljahren bin?“

Ganz klar: Nein. Die Wechseljahre sind keine Krankheit. Und nicht jede Frau braucht eine Hormontherapie. Aber wenn Schlaf, Energie, Stimmung, Sexualität, körperliches Wohlbefinden oder Lebensqualität deutlich beeinträchtigt sind, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Hormone können dann ein wichtiger Baustein sein – manchmal der entscheidende, manchmal nur einer von mehreren. Mein Grundsatz lautet deshalb: nicht so viele Hormone wie möglich, sondern so viel wie nötig – und so individuell und körpernah wie möglich. Denn Wechseljahresmedizin bedeutet für mich nicht, Laborwerte zu behandeln. Es bedeutet, die Frau zu behandeln, die vor mir sitzt.

Intimgesundheit·15. Juli 2026·3 Min.

Wenn Nähe schmerzt und die Blase keine Ruhe gibt

Intimbeschwerden in den Wechseljahren – darüber sollten wir sprechen

„Es hat ganz leise angefangen. Erst fühlte ich mich manchmal wund. Dann musste ich immer häufiger zur Toilette. Und irgendwann wurde Nähe, die früher selbstverständlich war, zu etwas, vor dem ich mich gefürchtet habe.“

Viele Frauen warten lange, bevor sie darüber sprechen. Vielleicht, weil ihnen die Worte fehlen. Vielleicht, weil es ihnen unangenehm ist. Oder weil sie glauben, diese Veränderungen gehörten zum Älterwerden und sie müssten sich damit abfinden. Doch das müssen sie nicht.

„Was haben meine Scheide und meine Blase miteinander zu tun?“

Mehr, als die meisten Frauen vermuten. Die Veränderungen in den Wechseljahren betreffen nicht nur den Zyklus. Sie können sich auch dort bemerkbar machen, wo kaum jemand darüber spricht: an den empfindlichen Schleimhäuten im Intimbereich und an den Harnwegen. Plötzlich brennt es. Die Blase meldet sich ständig. Oder es fühlt sich immer wieder wie eine beginnende Blasenentzündung an. Warum das so ist und ob wirklich die Wechseljahre dahinterstecken, lässt sich jedoch nicht immer auf den ersten Blick erkennen.

„Sind Schmerzen beim Sex jetzt einfach normal?“

Sie kommen häufig vor – aber Sie müssen sie nicht hinnehmen. Manchmal braucht der Körper jetzt mehr Zeit. Mehr Ruhe, mehr Zärtlichkeit und eine längere Erregungsphase können helfen, damit sich ausreichend Feuchtigkeit bildet. Doch nicht immer reicht das aus. Wenn Berührung plötzlich schmerzt, verändert das oft mehr als nur den Körper. Manche Frauen vermeiden Nähe, obwohl sie sich eigentlich danach sehnen. Andere zweifeln an ihrer Beziehung, ihrer Weiblichkeit oder an sich selbst. „Ich wünsche mir Nähe – aber mein Körper sagt plötzlich Nein.“ Bitte gehen Sie nicht über dieses Nein hinweg. Schmerzen sind kein Zeichen dafür, dass Sie sich nur mehr entspannen oder zusammenreißen müssten. Sie sind ein Grund, genauer hinzusehen.

„Kann man etwas dagegen tun?“

Ja – häufig gibt es gute Möglichkeiten. Welche davon infrage kommen, hängt davon ab, was genau Sie spüren, wie lange die Beschwerden bestehen und welche Ursache dahintersteckt. Denn nicht jedes Brennen, jeder Harndrang und jeder Schmerz sind automatisch hormonell bedingt. Manchmal braucht es Pflege. Manchmal eine gezielte Behandlung. Und manchmal zunächst eine sorgfältige Untersuchung. Welche Lösung zu Ihnen passt, lässt sich am besten in einem persönlichen Gespräch herausfinden.

„Wann sollte ich darüber sprechen?“

Nicht erst, wenn Nähe unmöglich geworden ist oder die Blase Ihren Alltag bestimmt. Sie dürfen das Thema ansprechen – auch wenn es Ihnen unangenehm ist. Denn Intimbeschwerden sind nichts, was Sie still ertragen müssen. Sie sind häufig, haben körperliche Ursachen und lassen sich in vielen Fällen gut behandeln. Manchmal beginnt Hilfe mit einem einzigen Satz: „Ich glaube, da hat sich etwas verändert.“

Bereit den nächsten Schritt zu gehen?

© 2026 Dr. med. Christa Müller. Alle Rechte vorbehalten.